Der menschliche Source-Code als Job-Matcher

DNA der Städte
DNA der Städte
Blub

Wenn man in einem Format wie HR Tomorrow gastieren darf, so ist es schon eine große Herausforderung die Gratwanderung zwischen Vision und Spinnerei zu meistern. Denn hier, an diesem Ort werden generelle und in der Zukunft liegende Trends auf „HR-Tauglichkeit“ untersucht und aus verschiedenen Richtungen beleuchtet. Genau diesem Tun will ich mich heute anschließen und einem Gedanken nachgehen, der mitunter schon in der Realität angekommen ist: Der Mensch selbst wird immer mehr Gegenstand von Digitalisierung. Nicht nur seine Umwelt, sein Haus, sein Auto und sonst allerlei werden in rasendem Tempo mehr über ihn wissen als er selbst, sondern er selbst wird auch mehr über sich selbst wissen als er selbst. Verwirrt? Wir werden es bald verstehen. Wenn dann schon der Mensch in seiner Gänze digital ist, dann sind Gedanken in Richtung Job-Matching nicht fern.

Gibt es noch Grenzen?

Würde man diese Frage einem Vertreter aus dem Lager der Big Data oder Digitalisierung-Anhänger fragen, so würden die glasklare Antwort lauten: Nein. Und so Unrecht haben sie damit gar nicht. Die Bastionen Datenschutz (-Recht), Ethik und Moral werden diesem Voranschreiten Einhalt gewähren, aber wir wollen heute ja bewusst „out of the box“ denken. Die bekannten „in the box“ Dienstleistungs-Szenarien sind, denke ich, nun allen hinlänglich bekannt: datenbasierten Service anbieten – Daten sammeln – Service individualisieren – Talyor Made. Dabei spricht man dann von data-driven. Ob nun der Sprachdienst Alexa von google mit seinen stationären Einheiten nur Helfer oder doch irgendwann Spione werden, weiß man nicht. Ob das getrackte Fahrverhalten, sich nur auf den Tarif auswirkt oder auch in Zukunft andere Rückschlüsse zulässt. Auch das weiß man nicht. Aber das alles ist „in the box“. Ein Projekt beispielsweise, dass deutlich „out oft he box“ ist, ist der Versuch von google das menschliche Gehirn in die Cloud zu laden. Dabei soll versucht werden, den menschliche Speicher zu digitalisieren und als Ganzes in einen Cloud-Speicher zu heben. Also sozusagen soll das menschliche Denken konserviert werden. Denken wir weiter und schauen auf die Entwicklung von Robotern, dann könnten wir schnell ein Szenario haben das zumindest die Gedanken eines Menschen nahe an die Unsterblichkeit bringt. Um den Fokus wieder ein wenig zurück zu drehen, will ich einmal zwei Beispiele von Erfindungen aufzeigen, die es tatsächlich gibt bzw. sehr bald geben wird. Beide stammen aus dem Bereich des Gesundheitswesens und könnten genauso gut Grundlage für einen Recruiting-Ansatz sein.

Der menschliche Source Code – Sourcing Paradise?

Im Gesundheitswesen schreitet die Digitalisierung zu unseren Gunsten mit großen Schritten voran. Immer mehr Menschen profitieren von den Ideen und den aktuellen Entwicklungen. So auch die Idee und Erfindung von der Firma Helix, deren Vision es ist, einen App-Store zu schaffen der auf unseren DNA´s basiert. Die Firma Helix bietet letztendlich zwei Produkte. Das erste Produkt ist eine einfache sequenzielle DNA Analyse. Hierfür hat das Unternehmen bereits ein Joint Venture mit einem Hersteller von schnell arbeitenden Sequenziermaschinen begründet und betreibt gemeinsam eine Maschinenfarm in der bis zu einer Million Testungen pro Jahr durchgeführt werden können. Helix geht davon dass es den wichtigsten Teil eines Genoms einer Person -aller 20,000 Gene- zu einem Fünftel der Selbstkosten decodiert im Vergleich zum Wettbewerb. So decodiert Helix grundsätzlich immer einen vollständigen Datensatz, auch wenn sich das Angebot für Kunden immer nur auf ganz spezifische genetische Abfragen bezieht. Will der Kunde jedoch nochmals etwas wissen, so liegen die Ergebnisse bereits vor. Die zweite und viel spannendere Idee von Helix gleicht eher einem Big-Data Crowd Funding Ansatz: Helix digitalisiert bzw. datafiziert jede Kundenabfrage und stelle diese dann in einer Cloud anderen Softwareentwicklern zur Verfügung. Diese können dann auf dieser DNA-Datenbasis neue Apps entwickeln und gezielt zum Kauf in den kommerziellen App-Stores anbieten. Die Daten haben dabei die Kunden fortwährend im Griff, so Helix, und können entscheiden, welche Sequenzen sie freigeben und für die weitere Produktentwickelung zur Verfügung stellen. Denken wir dies stringent in Richtung einer Job-App so ließe sich eine Job-Matching-App auf DNA Basis realisieren.

Einen Schritt weiter geht ein anderes Projekt: die Vision des Internet des DNA, das einen medizinischen Mehrwert in der Behandlung und auch Prävention von Krankheiten generieren soll. Der Grundgedanke dabei ist, dass alle erhobenen DNA Proben im Internet mittels einer Schnittstelle hochgeladen und in einer Suchmaske wie bei Google z.B. verfügbar und durchsuchbar gemacht werden sollen. Der Ansatz gleicht Big Data Projekten, bei denen die Wucht der Daten beim Lösen von spezifischen Problemen hilft. Die Visionäre und Forscher versprechen sich mit dem Zugriff auf große Mengen an DNA Analysen schnellere Diagnose und bahnbrechende Fortschritte in der Bekämpfung von Krankheiten wie Krebs etc.. Natürlich müssen aber erst Patienten gefunden werden, die bereit sind ihre Daten (DNA) im Internet zur Verfügung zu stellen. Sind diese Daten dann verfügbar, dann könnten natürlich auch arbeitsspezifische Aussagen getroffen oder auch gesourced werden. Ein nahezu unerschöpflicher Datenpool läge vor uns. Die Entwickler des „Internet of DNA“ gehen davon aus, dass ihre Vision in 1-2 Jahren tragbar sein wird.

An diesen beiden Projekten sehen wir sehr schön, dass der Mensch selbst immer mehr ins Zentrum der Digitalisierung rückt. Grundlegend haben die beiden vorgestellten Projekte ein klares Kerninteresse und die Daten einen klar umrissenen Verwendungszusammenhang. Sie werden auch in einer geklärten Data-Ownership erhoben und entsprechend eingesetzt. So wie es auch sein soll. In neuen Projektsetting sind dann natürlich Erweiterungen denkbar und diese vielleicht ja auch in Richtung Recruiting. Aber stand heute sind diese noch weit „out oft he box“.

Autor: Michael Witt

Nach seiner Ausbildung zum Tischler studierte Michael Witt Diplom Sozialarbeit in Weingarten und war danach 7 Jahre im Bereich der Beruflichen Fort- und Weiterbildung tätig. Dort war er neben der Aufgabe als Seminarleiter vor allem als Koordinator für die konzeptionelle Entwicklung und Implementierung von Bildungsmaßnahmen verantwortlich und betreute dabei mehrere Standorte in Oberschwaben. Während dieser Zeit schloss er den berufsbegleitenden MBA Studiengang ab und wechselte daraufhin in die Personaldienstleistung bei der er als Head of Recruiting und Geschäftsleiter eine regionale Niederlassung leite. Seit 2013 beschäftigt sich Michael Witt in leitenden Funktonen mit sämtlichen Facetten des nationalen und internationalen Recruitings. Seine Arbeitsinhalte reichen von strategisch konzeptionellen Themen, über die Planung und Umsetzung operativer Recruiting Kampagne bis hin zu Employer Branding und Personalmarketing. Für seine Arbeit wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.

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